Warum immer mehr Chinesen nach Österreich reisen

Mit dem zunehmenden Wohlstand der Chinesen hat in den letzten Jahren auch die Anzahl unserer Gäste aus Fernost in Österreich sehr zugenommen. Und es gibt ein ganz besonderes Reiseziel, das die Besucher aus dem Reich der Mitte anzieht wie die Motten das Licht: Es handelt sich um einen Ort mit siebenhundert Einwohnern: Hallstatt.

Zugegeben Hallstatt ist ein schnuckeliges Örtchen, das wie ein Schwalbennest an die Berge gebaut über dem kristallklaren Bergsee hängt – eben Alpenidylle pur! Doch Hallstatt befindet sich nicht im bekannten Tirol – das Synonym für österreichische Bergwelt – sondern viel weiter östlich am südlichsten Zipfel des Bundeslands Oberösterreichs. Die Anreise erfolgt oft per Zug Zugverbindungen aus Wien.

Grund für die magnetische Anziehungskraft der Chinesen ist ein ganz skurrilles Detail. Vor ein paar Jahren kamen Abordnungen Chinesischer Investoren nach Österreich und fotografierten, vermaßen, dokumentierten jedes Detail am beschaulichen Hallstatt. Denn sie wollten diesen Ort inklusive künstlich angelegten See 1:1 in China nachbauen – nicht etwa als Miniversion in einem Vergnügungspark, sonder maßstabgetreu als neu entstehender Urlaubsort in China für Chinesen. Hatte man diese Information in Österreich ursprünglich als Scherz betrachtet, staunte man nicht schlecht, als nur zwei Jahre später tatsächlich Hallstatt in China fertiggestllt wurde. Man ließ keine Details aus, sogar die Beschriftungen der Gasthäuser und Geschäfte wurden eins zu eins übernommen. Und es wäre kein echtes chinesisches Plagiat, hätten sich da nicht auch sämtliche Schreibfehler eingeschlichen.

Weil nun das neue Hallstatt in China so schön geworden ist, pilgern jährlich tausende chinesische Touristen nach Hallstatt in Österreich, um sich das noch viel schönere Original anzusehen.

Wenn sich nun ein Österreicher nach Hallstatt verirrt, kann auch der ganz schön irritiert sein. Denn das Örtchen hat sich an seine neuen Gäste angepasst: Beschriftungen von Lokalen und Geschäften sind nun auch auf Chinesisch, die Besuchermassen, die durch das Örtchen schlendern, sind großteils asiatisch – so dass sich so mancher heimischer Besucher fragen müsste – bin ich nun im Original oder im chinesischen Plagiat?

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